29. Juli 2009

Presseschau: Diskussion zum “Mohr im Hemd”

Der österreichische Eishersteller Eskimo wirbt in diesem Sommer für sein neues Eis mit dem Spruch „I will mohr“ und sorgte damit für mitunter heftige Diskussionen wegen der Verwendung des Begriffs “Mohr”.

Dieser ist in Anbetracht seiner Herkunftsgeschichte rassistisch besetzt und für Schwarze im deutschsprachigen Raum eine der schwersten Beleidigungen, so Simon Inou von M Media. Durch eine solche Kampagne würden erneut Stereotype bedient. Es sei beschämend, dass Eskimo so eine Kampagne startet, ohne mit Betroffenen vorher darüber zu beraten.

Sonja Fercher von ZARA positionierte sich im FM4 Connected-Interview vom 23. Juli klar gegen den negativ konnotierten Begriff und seine Anwendung als Werbesujet. Es müsse berücksichtigt werden, wie ein solcher Begriff bei den Betroffenen ankommt und was er bei ihnen auslöst. Es geht nicht bloß wiedarum, wie etwas gemeint ist, denn zur Kommunikation gehören schließlich immer mehrere TeilnehmerInnen.

Bei Eskimo zeigte man sich überrascht über die Proteste, erklärte aber, den Aufschrei ernst zu nehmen. Aufgrund der öffentlichen Kritik wurde die Kampagne nicht mehr verlängert, das Eis aber behält seinen umstrittenen Namen.

Links: 
STANDARD-Debatte: “Ueberlieferte Vorurteile” versus “Bevorzugung statt Wortstreit”

Kommentar der anderen im STANDARD: Wenn die Hauswand zur Plakatwand wird”  von Markus Wailand

“Warum ich ein Rassist bin” (Klaus Werner-Lobo auf afrikanet.info)

Eine soziolinguistische Analyse der “Mohr im Hemd”-Debatte von Sprachwissenschafterin und ZARA-Gründerin Verena Krausneker: “Mach Dir nicht ins Hemd” (Gastkommentar “Die Presse” vom 6.8.2009)

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