Durch Sprache wird Realität konstituiert und insofern ist Sprache Macht.
In unserem Wortschatz gibt es immer wieder Begriffe, die wir teilweise bereits
in der Kindheit übernommen haben und unhinterfragt weiterverwenden. Sie sind
von uns nicht böse gemeint, können aber starke Irritationen, Kränkungen und
Unverständnis bei anderen auslösen. Viele "geflügelte Worte" haben diskriminierenden
oder ausgrenzenden Charakter, manche Begriffe sind auch offensichtlich rassistisch
und sollten nicht verwendet werden. Auch einige scheinbar vollkommen harmlose
Begriffe haben es in sich.
Suchen wir gemeinsam Alternativen zu folgenden Begriffen, die noch immer in unserer Alltagssprache "herumgeistern"!
Die Ursprünge des Klischees der Frauen als "das schwache Geschlecht" finden sich in der griechischen Philosophie. Das abendländische Denken wurde maßgeblich durch Aristoteles geprägt, welcher Überlegungen zur Verschieden"art"igkeit von Frauen und Männern anstellte, den Frauen in seinen Ausführungen physische und intellektuelle Minderwertigkeit zuschrieb und schließlich aus der biologischen Unterlegenheit eine soziale ableitete. Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Theorie der Geschlechterdifferenz aufrechterhalten: die Zuschreibung von Charaktereigenschaften diente vor allem der ideologischen Absicherung der patriachalischen Herrschaft.
Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verloren das Modell der Geschlechterdifferenz und die daraus resultierende Zuschreibung von Werten an Überzeugungskraft. Heute ist jede Form der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts gesetzlich verboten, dennoch gibt es leider de facto noch immer in vielen Bereichen (Bildung, berufliche Chancen, Arbeitswelt, etc.) geschlechtsspezifische Ungleichheiten.
Bezug nehmend auf Körperlichkeit wird auch heute noch häufig argumentiert: "Aber Frauen sind doch einfach schwächer". Hier gilt es zu hinterfragen inwieweit bereits die Definition von "physischer Kraft" an sich männlich konnotiert ist. Ebenso ist es interessant einen Blick darauf zu werfen, wie sich derartige Zuschreibungen im Laufe der Zeit verändern und zur Verfolgung von spezifischen Interessen genutzt werden (z.B. wurden Frauen nicht nur im Mittelalter in ganz Europa keineswegs als zu schwach erachtet, um am Bau dieselben schweren Arbeiten zu verrichten wie Männer, honoriert wurde diese Arbeit jedoch zu keiner Zeit in gleichem Ausmaß wie jene ihrer männlichen Kollegen). Sinnvoll erscheint deshalb auch immer zu hinterfragen inwieweit Zuschreibungen dazu missbraucht werden, Macht- und Einflussmöglichkeiten von bestimmten Gruppen zu reduzieren bzw. zu stärken.
Das Klischee des schwachen Geschlechts wird neuerdings von vielen umgekehrt und auf Männer angewendet. Diese Vorgangsweise ist in Anbetracht der jahrhundertelangen Degradierung von Frauen nachvollziehbar. Dennoch ist fraglich inwiefern ein Beitrag zu Gleichstellung geleistet wird, wenn auf die gleiche Argumentationsweise zurückgegriffen und somit versucht wird, Differenzen als gegeben darzustellen, diese a priori als Gruppenmerkmale zu beschreiben und in der Folge mit einer Bewertung zu versehen.
(Text von Martina Mathe, ZARA - Gleiche Chancen im Betrieb)