Durch Sprache wird Realität konstituiert und insofern ist Sprache Macht.
In unserem Wortschatz gibt es immer wieder Begriffe, die wir teilweise bereits
in der Kindheit übernommen haben und unhinterfragt weiterverwenden. Sie sind
von uns nicht böse gemeint, können aber starke Irritationen, Kränkungen und
Unverständnis bei anderen auslösen. Viele "geflügelte Worte" haben diskriminierenden
oder ausgrenzenden Charakter, manche Begriffe sind auch offensichtlich rassistisch
und sollten nicht verwendet werden. Auch einige scheinbar vollkommen harmlose
Begriffe haben es in sich.
Suchen wir gemeinsam Alternativen zu folgenden Begriffen, die noch immer in unserer Alltagssprache "herumgeistern"!
Über den Ursprung bzw. die Entstehung des Wortes "Tschusch" gibt es zahlreiche, aber keine eindeutig wissenschaftlich abgesicherten Erklärungen.
Eine der bekanntesten ist jedenfalls die folgende: Das Wort sei schon seit der Jahrhundertwende vor allem im Wiener Raum für Personen "südosteuropäischer, slawischer Herkunft (Balkanraum)" gebraucht worden und während des Baues der Eisenbahnstrecke über den Semmering, der Südbahn entstanden. Das in slawischen Sprachen verwendete Füllwort "čujéš" (ähnlich dem vorarlbergischen "oder", das so viel wir "hörst du" oder "verstehst du" bedeutet) wurde stellvertretend für die Gruppe der slawischsprachigen Bauarbeiter verwendet (Matouschek 2000: 58 f.).
Eine weitere Erklärung besagt, dass das Wort "čus" oder "čuz" im Slowenischen "Dummkopf" im Russischen das Wort "čužoi" "fremd" bedeutet (ebd.).
Während der Ursprung nicht eindeutig rekonstruierbar ist, ist die negative, emotionsgeladene und abwertende Gebrauchsweise des Wortes eindeutig. "Tschusch" ist also eine Person, die nichts versteht, dumm ist oder so fremd ist, dass es auffällt. Die negative Bedeutung ist auch in folgenden Worten wieder erkennbar: "Tschuschenpack", "Tschuschenweib", "Tschuschenflittchen" und "Tschuschenbankert". "Tschuschenkoffer" für Plastiksackerl. Ausnahme bildet die Selbstbezeichnung der "Wiener Tschuschenkapelle", die aber auch ironisch mit den Klischees spielt, die mit dem Wort "Tschusch" verbunden sind.
Das Wort wurde in den letzten Jahrzehnten in Wien als Schimpfwort für unterschiedlichste Personen mit migrantischem Hintergrund verwendet. Wer heute den Ausdruck "Tschusch" für einen anderen Menschen verwendet, tut das um zu verletzen, abzuwerten oder zu beleidigen.
Matouschek, Bernd 2000: Böse Worte? Sprache und Diskriminierung. Eine praktische Anleitung zur Erhöhung der «sprachlichen Sensibilität» im Umgang mit Anderen. Drava Verlag, Klagenfurt/Celovec