Was geht's mich an?In der Straßenbahn, eine junge Mutter mit einem greinenden Kind, der ganze Wagon ist – so wie die Mutter – schon entnervt, weil das Kind nicht zu schreien aufhört. Da murrt jemand: »Typisch Ausländer: immer laut! Schleichts euch doch z'Haus!« Wer kennt sie nicht, diese Situation – oder eine ihrer unzähligen Abwandlungen? Sowas kommt täglich vor in Wien. Es gibt unterschiedliche Perspektiven in dieser Situation: die junge Frau, die zu dem Stress mit ihrem Kind es auch noch mit einer Anfeindung zu tun bekommt. Sie ärgert sich vielleicht, dass sie nicht wie andere Mütter behandelt wird, dass man denkt, dass sie hier fremd sei und sie deswegen grob anpöbelt. Wahrscheinlich hat sie aber einfach Angst. Dann ist da die schimpfende Person: sie fühlt sich vom Weinen des Kindes gestört und glaubt – vielleicht wegen Aussehen oder Sprache der jungen Frau – dass es sich um eine »Ausländerin« handelt. Es ist dieser Person vollkommen egal, dass die Frau tatsächlich in Wien geboren ist, dass das »zu Hause« wo sie sie hinwünscht in derselben Stadt ist wie ihr eigenes. Die junge Frau gibt Anlass, wieder einmal über »Ausländer« generell zu schimpfen. Und dann sind da noch 10-20 weitere Personen, die dem ganzen Vorfall schweigend zugehört haben. Sie haben nichts getan. Aber haben sie »nichts« getan? Situationen wie die obigen, also Beschimpfungen, oder auch Benachteiligungen und tätliche Angriffe erleben viele Menschen bei der Arbeits- und Wohnungssuche, in Lokalen und Geschäften, bei Kontakten mit Behörden und im Privaten, im öffentlichen Raum und auch durch Medien. Oftmals leben sie viele Jahre lang in diesem System, oftmals spüren sie es täglich. Es bezieht sich auf ihre Hautfarbe, Sprache, Religionszugehörigkeit, Staatsbürgerschaft oder Herkunft. Dieses System nennt man Rassismus. Es geht mich was! Rassismus ist ein gesellschaftliches und nicht vorrangig ein privates Problem. Rassismus ist durchaus psychologisch erklärbar – aber ohne gesellschaftliche Einbettung nicht möglich. Hat man das soweit durchschaut, dann ist klar, dass man Rassismus auf gesamtgesellschaftlicher Ebene erkennen und vor allem zivilcouragiert entgegentreten muss. Wir können uns überlegen, das nächste Mal etwas zu sagen, wenn eine junge Frau rassistisch beschimpft wird. Zum Beispiel einfach: »Lassen Sie die Frau in Ruhe«. Oder: »Sie haben wohl noch nie ein Kind schreien gehört – die Schreien nämlich in allen Ländern der Welt gleich«. Das können wir als Einzelpersonen durchaus leisten – und der peinliche Moment, sich einzumischen wird zigfach abgegolten durch das gute Gefühl, sich einmal mutig verhalten zu haben. Sowohl die 10 bis 20 ZeugInnen in der Straßenbahn als auch die junge Frau als Opfer von Rassismus können sich bei ZARA – Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit – informieren und beraten lassen. Für gröbere Vorfälle, wie sie leider ebenfalls täglich passieren, bietet das Team von ZARA Information über rechtliche Schritte, Intervention, Begleitung durch den Prozess der Fallklärung oder durch ein Verfahren. Und das sind nur einige der Möglichkeiten. ZARA dokumentiert vor allem systematisch sämtliche Vorfälle, die von ZeugInnen gemeldet werden und bietet außerdem Schulungen, Informationsmaterial über Rassismus und Besuche / Vorträge in Bildungseinrichtungen. Das gesamte Service ist kostenlos. |